ToSe

Sobald er aber die Kunst zu erlernen anfängt und vielerlei über sie erfährt, so verliert er sogleich sein früheres Selbstvertrauen, sein Sinn wird veranlasst, an der und jener Stelle „einzuhalten", und er fühlt sich nicht mehr sicher. Er ist jetzt schlechter daran als vorher. Wenn er jedoch Jahre hindurch seine Übung fortsetzt, so meistert er endlich die Kunst, er kümmert sich nicht mehr um das einzelne, alles wird ihm selbstverständlich, und er ist wieder derselbe, der er früher gewesen ist. Es ist wie mit dem Zählen: wenn du bis zu zehn gelangt bist, so fängst du wieder mit eins an; eins und zehn sind Nachbarn geworden. Genauso steht es mit dem Lehrgang des BUDDHA-Jüngers. Wenn du seinen höchsten Grad erreicht hast, so kann man dich einem einfältigen Kinde vergleichen, das nichts vom BUDDHA und nichts vom Dharma weiß. Du bist frei von Ichwahn und frei von Heuchelei. -Takuan, Brief über die Schwertkunst
Ne Kadar Kitap Kurdusun?
0-30p: Kontrollü okuyucu 📖 40-70p: Hafif bağımlı 👀 80p+: Geçmiş olsun, kitaplar seni ele geçirmiş 😅
Liebe als Tauschgeschäft um emotionale Konten zu füllen
Ich verstehe auch hier das Anliegen Fromms. Er will deutlich machen, dass es in der Liebe um etwas Tieferes und anderes geht als um einen "Egoismus zu zweit", nach dem Motto: Ich gebe dir, damit ich von dir bekomme. Was er aber dabei - jedenfalls in seiner Theorie, wahrscheinlich nicht in seiner eigenen Lebenspraxis - übersieht, ist, dass die Partnerliebe nur lebendig bleiben kann, wenn es in ihr Gegenseitigkeit, Wechselseitigkeit und damit auch Fairness gibt. Wenn einer der beiden Partner auf die Dauer das Gefühl hat, er kommt schlechter weg, er gibt immer nur und be kommt nichts zurück, wenn es also auf Dauer ungerecht zugeht in der Beziehung, kann meiner Erfahrung nach die tiefste Liebe recht schnell aufgebraucht werden. Das scheint ein typischer Unterschied zwischen der Eltern-liebe und der Partnerliebe zu sein: die Elternliebe ist einsei-tig. Sie gibt, und es ist angemessen, wenn die Kinder nicht auf der selben Ebene zurückgeben, sondern, das was sie erhalten haben, weitergeben. Aber eine Liebe zwischen Partnern kann auf die Dauer nur lebendig bleiben, wenn sie wechselseitig ist: und das heißt, wenn beide viel einander geben und viel voneinander nehmen, also wenn beide im intensiven Wechselspiel von Geben und Nehmen bleiben. Wenn ich die konkrete Lebenspraxis vieler Paare anschaue, kann ich der Auffassung Fromms nicht folgen, dass die schöpferische Liebe des einen gewissermaßen notwendiger Weise die Liebe des anderen weckt. Ich erlebe oft, dass der eine aus ganzem Herzen gibt und gibt, und der andere, weil er sich vielleicht vom Beruf völlig auffressen lässt, immer weniger gibt und nur noch nimmt und nimmt. Das wird auf die Dauer ein Ausbeutungsverhältnis, das die Liebe erstickt. Darum ist es für die Beziehung existentiell, dass immer wieder ein fairer Ausgleich
Verliebtsein als Vision
Dennoch, meine ich, ist das Verliebtheitserlebnis sehr viel positiver zu sehen. Illusionen über mich den anderen und unsere Beziehung mag es sicherlich auch enthalten. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist, dass die Verliebtheit uns nicht blind, sondern in gewissem Sinn sogar besonders klarsichtig macht. Intuitiv erfassen wir darin das Potential unseres ungelebtes Lebens, erfassen wir, was diese Liebe in dir und mir erwecken könnte, wenn wir uns wirklich darauf einlassen. Die Verliebtheit ist nicht Illu-sion, die nur enttäuscht werden kann, sondern auch Vision von dem, was möglich wäre, freilich noch nicht realisiert ist. Ich habe die Erfahrung der Verliebtheit in meinem Buch "Die Kunst als Paar zu leben" mit der Intuition verglichen, die der Künstler von seinem Kunstwerk hat und die ihn inspiriert, ans Werk zu gehen. Die Intuition muss natürlich umgesetzt, muss ins Material gebracht werden. Und das braucht durchaus harte Arbeit. Und dabei wandelt sie sich, und dabei muss von der ursprünglichen Idee vielleicht auch dieser oder jener schmerzliche Abstrich gemacht werden. Aber sie ist es, die den Künstler immer wieder inspiriert und ihn bei seinem Tun leitet und motiviert. So ist es auch mit dem Verliebt-heitserlebnis bei den Liebenden. -Hans Jellouscheck
Triebabfuhr
Fromm gibt auch ein klares Kriterium dafür an, woran erkennbar und spürbar ist, dass das körperliche Vereinigung etwas mit Liebe zu tun hat. Das körperliche Verlangen ist dann, so sagt er, ohne Gier, es ist ohne den Wunsch zu erobern und sich erobern zu lassen, und positiv ausgedrückt: es ist dann voll Zärtlichkeit (67/68). Ich erlebe häufig, dass Männer in der Tatsache, dass sie den Drang haben, mit ihren Frauen zu schlafen, ein untrügliches Zeichen für ihre Liebe sehen, und ganz empört darüber sind, wenn die Frauen nicht mehr mitmachen. Oft ist aber genau das die Ursache, dass die Frauen sich verweigern: weil sie in der Sexualität ihrer Männer keine Zärtlichkeit mehr erleben, sondern lediglich noch Triebabfuhr oder alles mögliche andere, was Fromm aufzählt. -Hans Jellouscheck
Fromm betont, dass das noch nicht Liebe ist, was in der Verliebtheit erlebt wird, dass Frau und Mann von Gefühl und Leidenschaft erfasst werden und sich diesem Sog nicht mehr entziehen können. Liebe passiert nach Fromm nicht "von selbst". Liebe ist bewusste Aktivität, ist schöpferische Produktivität, Liebe ist vor allem Hingabe, aus der Mitte meiner Existenz heraus. Sie widerfährt uns daher nicht einfach, sondern sie ist eine bewusste Entscheidung, bedeutet darum auch bewusst eingegangenes Risiko und Wagnis. Und weiter: zur Liebe gehören auch Fürsorglich-keit, Verantwortung für den Geliebten, Achtung vor dem anderen und "Erkenntnis", womit Fromm meint "Den anderen in seiner Realität wahrnehmen können", also das, was ich "Einfühlungsvermögen" nennen würde. Darum vor allem nennt F. die Liebe eine Kunst, und diese Kunst verlangt - wie jede Kunst - Arbeit, um sie zu erlernen. Zu dieser Arbeit zählt er zum Beispiel Disziplin, Konzentration, Geduld und Mut. -Hans Jellouschek