Es liegt nach Takuan daran, daß der Lehrling nicht unterlassen kann, den Gegner und dessen Art, das Schwert zu führen, sorgsam zu beobach-ten; daran, daß er überlegt, wie er ihm am wirksamsten beikommen könne, und auf den Augenblick lauert, in dem er sich eine Blöße gibt. Es liegt daran, daß er, um es kurz zu sagen, seine ganze Kunst und Wissenschaft zu Rate zieht.
Indem er sich so verhält, büßt er nach Takuan die „Gegenwart des Herzens" ein: er kommt mit dem entscheidenden Streich immer zu spät und vermag daher nicht, des Gegners Schwert „gegen ihn selbst zu kehren". Je mehr er darauf ausgeht, die Überlegenheit der Schwertführung von seiner Überlegung, von der bewußten Verwertung seines Könnens, von Kampferfahrung und Taktik abhängig zu machen, um so mehr hemmt er die freie Beweglichkeit im „Wirken des Herzens". Wie ist dem abzuhelfen? Wie wird das Können „geistig", wie wird aus der souveränen Beherrschung der Technik meisterliche Schwertführung? Nur dadurch, lautet die Antwort, daß der Lehrling absichtslos und ichlos wird. Er muß dahin gebracht werden, daß er sich nicht nur vom Gegner, sondern auch von sich selbst loslöst.
Der Lehrling muß also gleichsam einen neuen Sinn oder, richtiger gesagt, eine neue Wachheit aller seiner Sinne erlangen, die ihn dazu befähigt, drohenden Hieben zu entgehen, als habe er sie vorausgefühlt. Beherrscht er diese Kunst des Ausweichens, dann hat er nicht mehr nötig, mit ungeteilter Aufmerksamkeit die Bewegungen seines Gegners oder gar mehrerer Gegner zugleich im Auge zu behalten. In dem Augenblick vielmehr, in dem er sieht und vorausfühlt, was zu geschehen anhebt, hat er sich schon instinktiv der Auswirkung dieses Geschehens entzogen, ohne daß zwischen Wahrnehmen und Ausweichen „ein Haarbreit dazwischen" wäre. Darauf also kommt