„Der Fehler, den Aristoteles hier begeht, geht auf sein urspringliches Argument zurück, wir liebten jemanden seiner selbst willen, weil wir seinen Charakter liebten. Da stimmt nicht. Wir sind nicht einfach unser Charakter, eine Ansammlung von Eigenheiten und Merkmalen, Tugenden und Lastern, die wir allesamt ablegen können. Jeder von uns ist ein bestimmtes, konkretes menschliches Wesen, das nicht durch seine Eigenschaften definiert wird. Wenn ich um meiner selbst willen geliebt werde, werde ich also nicht wegen der Eigen schaften geliebt, die mich zu mir machen; und als Freund Wert schätzung zu genießen ist nicht dasselbe wie bewundert zu werden. Tatsächlich trifft das Gegenteil zu: Um seiner selbst willen geliebt zu werden bedeutet eben, nicht wegen bestimm ter Eigenschaften geliebt zu werden, mit denen man sich die Liebe verdienen muss. Und als Freund geschätzt zu werden bedeutet, dass man ungeachtet seiner Fehler und Mängel ge schätzt wird.“
“Damit will ich nicht sagen, dass es immer gut ist, Gesellschaft zu haben, und je mehr Gesellschaft, desto besser. Wir haben auch ein Bedürfnis nach Alleinsein. Ende des 18, Jahrhunderts schrieb Immanuel Kant treffend über die „ungesellige Geselligkeit der Menschen, d.i. den Hang derselben in Gesellschaft zu treten, der doch mit einem durchgängigen Widerstande, welcher diese Gesellschaft ständig zu trennen droht, verbunden ist“. Kant räumt ein, dass wir andere Men schen brauchen, aber wir sträuben uns dagegen, von ihnen beherrscht oder überwältigt zu werden, und wollen unseren Frei raum haben. Diese widersprüchliche Neigung liegt „offenbar in der menschlichen Natur«. Kant selbst war berühmt für die Hartnäckigkeit, mit der er an seinem Junggesellenleben fest hielt; gleichzeitig war er berühmt für seine Abengesellschaf ten mit angeregter Konversation.“
»ungesellige Geselligkeit der Menschen, das ist den Hang derselben in Gesellschaft zu treten, der doch mit einem durchgängigen Widerstande, welcher diese Gesellschaft ständig zu trennen droht, verbunden ist« Kant
“Wie Alexis de Tocqueville und Gustave de Beaumont im Jahr 1833 schrieben, wurden Häftlinge einer »vollkommenen Isolation ausgesetzt; aber wenn dieses absolute Alleinsein durch nichts unterbrochen wird, übersteigt es die Kraft eines Menschen; es zerstört den Verbrecher ohne Unterbrechung und Erbarmen; es bessert ihn nicht, sondern tötet ihn."