„Der Verlust des kontemplativen Vermögens wirkt sich auf unser Verhältnis zur Sprache aus. Benommen vom Informations- und Kommunikationsrausch entfernen wir uns von der Dichtung als Kontemplation der Sprache und beginnen sie sogar zu hassen.“
„Weil Zeit zum Denken und Ruhe im Denken fehlt, so erwägt man ab weichende Ansichten nicht mehr man begnügt sich, sie zu hassen. Bei der ungeheuren Beschleunigung des Le bens wird Geist und Auge an ein halbes oder falsches Se hen und Urtheilen gewöhnt, und Jedermann gleicht den Reisenden, welche Land und Volk von der Eisenbahn aus kennen lernen. Selbständige und vorsichtige Haltung der Erkenntnis schätzt man beinahe als eine Art Verrücktheit ab, der Freigeist ist in Verruf gebracht.“ F. Nietzsche
“Der Zwang zur Tätigkeit, ja die Beschleunigung des Lebens erweist sich als effizientes Herrschaftsmittel. Wenn heute keine Revolution möglich zu sein scheint, dann vielleicht deshalb, weil wir keine Zeit zum Denken haben. Ohne Zeit, ohne tiefes Atemholen setzt sich das Gleiche fort.”
„Heute setzt sich überall die konsumistiche Lebensform durch, in der jedes Bedürfnis sofort so zu befriedigen ist. Wir haben keine Geduld zum Warten, in dem etwas langsam reifen könnte.“
»Die eigentümliche Unschlüssigkeit des Flanierenden. Wie das Warten der eigentliche Zustand des unbeweglich Kontemplativen, so scheint das Zweifeln der des Flanierenden zu sein. In einer Schillerschen Elegie heißt es: „Des Schmetterlings zweifelnder Flügel.«' Sowohl das Warten als auch das Zweifeln sind Figuren der Untätigkeit. Ohne Moment des Zweifelns gleicht sich der menschliche Gang dem Marsch an. Seine Anmut erhält er wie der Flügel des Schmetterlings von einem Zögern. Die Entschlossenheit oder die Eile nimmt ihm jede Grazie. Der Flaneur macht Gebrauch von dem Vermögen, das nicht handelt. Er verfolgt kein Ziel. Absichtslos liefert er sich dem Raum aus, der ihn „anblinzelt“, dem „Magnetismus der nächsten Strassenecke, eines fernen Platzes im Nebel, des Rückens einer vor ihm schreitenden Frau“ W. Benjamin