Civaknas

„Das Leistungssubjekt befindet sich mit sich selbst im Krieg. Der Depressive ist der Invalide dieses internalisierten Krieges. Die Depression ist die Erkrankung einer Gesellschaft, die unter dem Übermaß an Positivität leidet. Sie spiegelt jene Menschheit wider, die mit sich selbst Krieg führt… Der Wegfall der Herrschaftsinstanz führt nicht zur Freiheit. Er lässt vielmehr Freiheit und Zwang zusammenfallen. So überlässt sich das Leistungssubjekt der zwingenden Freiheit oder dem freien Zwang zur Ma- ximierung der Leistung.“
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Problematischerweise nimmt Alain Ehrenberg die Depression lediglich der Perspektive der Ökonomie des Selbst in den Blick. Depressiv mache der gesellschaftliche Imperativ, nur sich selbst zu gehören. Die De pression ist für ihn der pathologische Ausdruck des Scheiterns des spätmodernen Menschen, er selbst zu werden. Zur Depression führt aber gerade auch die Bindungsarmut, die charakteristisch ist für die zunehmende Fragmentierung und Atomisierung des Sozialen. Dieser Aspekt der Depression kommt bei Ehrenberg nicht zur Sprache. Er übersieht auch die der Leistungsgesellschaft innewohnende systemische Gewalt, die psychische Infarkte hervorruft. Nicht der Imperativ, nur sich selbst zu gehören, sondern der Leistungsdruck verursacht die Erschöpfungsdepression. So gesehen, bringt das Burn- out-Syndrom nicht das erschöpfte Selbst, sondern eher die erschöpfte, ausgebrannte Seele zum Ausdruck. Ehrenberg zufolge breitet sich die Depression dort aus, wo die Gebote und Verbote der Disziplinargesellschaft der Eigenverantwortung und Initiative weichen.“
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Die Disziplinargesellschaft ist eine Gesellschaft der Negativität. Sie wird bestimmt von der Negativität des Verbots. Das negative Modalverb, das sie beherrscht, ist Nicht-Dürfen. Auch dem Sollen haftet eine Negativität, die des Zwangs, an. Die Leistungsgesellschaft entledigt sich im mer mehr der Negativität. Gerade die zuneh mende Deregulierung schafft sie ab. Das entgrenzte Können ist das positive Modalverb der Leistungsgesellschaft. Sein Kollektivplural der Affirmation Yes, we can bringt gerade den Positivitätscharakter der Leistungsgesellschaft zum Ausdruck. An die Stelle von Verbot, Gebot oder Gesetz treten Projekt, Initiative und Motivation. Die Disziplinargesellschaft ist noch vom Nein beherrscht. Ihre Negativität erzeugt Verrückte und Verbrecher. Die Leistungsgesellschaft bringt dagegen Depressive und Versager hervor.“
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„Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr die Disziplinargesellschaft, sondern eine Leis- tungsgesellschaft. Auch ihre Bewohner heißen nicht mehr »> Gehorsamssubjekt«<, sondern Leistungssubjekt. Sie sind Unternehmer ihrer selbst. Archaisch wirken inzwischen jene Mauern der Disziplinaranstalten, die die Räume des Normalen von denen des Anomalen abgrenzen. Foucaults Analytik der Macht kann die psychischen und topologischen Veränderungen nicht beschreiben, die sich mit dem Wandel der Disziplinargesellschaft vollzogen haben“
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Puan vermedi·96 syf.·
46 günde okudu
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Okunma: 10 Eylül 2023 19:06
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2023 25. kitabı
Lokman Ayebe
9/10 · 24 okunma