Problematischerweise nimmt Alain Ehrenberg die Depression lediglich der Perspektive der Ökonomie des Selbst in den Blick. Depressiv mache der gesellschaftliche Imperativ, nur sich selbst zu gehören. Die De pression ist für ihn der pathologische Ausdruck des Scheiterns des spätmodernen Menschen, er selbst zu werden. Zur Depression führt aber gerade auch die Bindungsarmut, die charakteristisch ist für die zunehmende Fragmentierung und Atomisierung des Sozialen. Dieser Aspekt der Depression kommt bei Ehrenberg nicht zur Sprache. Er übersieht auch die der Leistungsgesellschaft innewohnende systemische Gewalt, die psychische Infarkte hervorruft. Nicht der Imperativ, nur sich selbst zu gehören, sondern der Leistungsdruck verursacht die Erschöpfungsdepression. So gesehen, bringt das Burn- out-Syndrom nicht das erschöpfte Selbst, sondern eher die erschöpfte, ausgebrannte Seele zum Ausdruck. Ehrenberg zufolge breitet sich die Depression dort aus, wo die Gebote und Verbote der Disziplinargesellschaft der Eigenverantwortung und Initiative weichen.“