„Tue weniges, sagt Demokrit, wenn du zu innerem Frieden gelangen willst. Wäre es nicht vielleicht besser, zu sagen: Tue was notwendig ist, nämlich das, was die Vernunft eines von Natur zur Staatsgemeinschaft bestimmten Wesens gebietet und so, wie sie es gebictet? Dann erlangen wir nicht nur den Frieden, der aus einer schönen Handlung, sondern auch den, der aus dem Wenigtun entspringt. Und gewiß, wenn wir nur das meiste in unserem Reden und Tun. was nicht norwendig ist. wegließen, hätten wir mehr Muße und weniger Unruhe. Frage dich drum bei allem: Gehört dies zu den unnötigen Dingen? Aber man muß nicht nur unnütze Handlungen, sondern auch unnütze Gedanken vermei den; so allein werden diesen keine unnützen Taten folgen.“
„Was den Menschen selbst nicht schlechter macht, als er von Natur ist, das kann auch sein Leben nicht verschlimmern und schadet ihm weder äußerlich noch innerlich.“
„Einsamkeit suchen die Menschen auf ländlichen Fluren, am Meeresufer, in den Bergen; und auch deine Seele sehnt sich immer lebhaft darnach. Doch einer wie beschränkten Ansicht entspringt dieser Wunsch! Kannst du doch, so oft du nur willst, dich in dich selbst zurückziehen. Gibt es doch nirgends eine stillere und ungestörtere Zufluchtsstätte, als die Menschenseele, zu mal wenn sie in sich Eigenschaften birgt, deren Betrach tung eine harmonische Seelenstimmung hervorruft; diese aber kann nur aus edler Sittlichkeit entstehen.“
„Wenn dir aber nichts besser erscheint als der in dir wohnende Genius, der die eigenen Begierden sich unterworfen hat, seine Vorstellungen genau prüft, sich, wie Sokrates zu sagen pflegte, von der Herrschaft der Sinne befreit und der Leitung der Götter unterwirft und für Menschen wohl sorgt- wenn alles andere dir demgegenüber gering und wertlos erscheint, so gib auch keinem anderen Dinge Raum. Denn hast du dich einmal hinreißen lassen, so steht es nicht mehr in deiner Macht, jenem einzigen Gute, das in Wahrheit dein eigen ist, den Vorrang einzuräumen.“