„Das Wissen der Zeiterfahrung der Kunst ist, dass wir zu verweilen lernen. Das ist vielleicht die uns zugemessene Entsprechung zu dem, was man Ewigkeit nennt.“ Hans-Geoge Gadamer
„Agambens Theorie des homo sacer hält an dem Schema der Negativität fest. So sind Täter und Opfer, Souverän und homo sacer, auch topologisch, klar voneinander unterschieden. Die Souveränität und das nackte Leben des homo sacer stehen, so Agamben, »an beiden äußersten Grenzen einer Ordnung. Agambens Ausnahmezustand ist ein Zustand der Negativität. Die homines sacri der Leistungsgesellschaft bevöl kern dagegen den totalisierten Normalzustand, der ein Zustand der Positivität ist. Agamben entgeht der topologische Wandel der Gewalt, der Idem Wandel von der Souveränitätsgesellschaft zur Leistungsgesellschaft zugrunde liegt.“
„Das Burnout, das häufig der Depression vorausgeht, verweist nicht so sehr auf jenes souveräne Individuum, dem die Kraft ausgeht, »der Herr seiner selbst zu sein<<. Das Burnout ist vielmehr die pathologische Folge einer freiwilligen Selbstausbeutung. Der Imperativ der Erweiterung, Transformation und Neuerfindung der Person, dessen Kehrseite die Depression ist, setzt ein Angebot an identitätsgebundenen Produkten voraus. Je häufiger man die Identität wechselt, desto mehr wird die Produktion angekurbelt. Die industrielle Disziplinargesellschaft ist auf eine unveränderliche Identität angewiesen, während die nachindustriellgesellschaft einer flexiblen Person bedarf, um die Produktion zu steigern.“
„Als Charakterstörung ist der Narzissmus das genaue Gegenteil von ausgeprägter Eigenliebe. Die Versenkung ins Selbst schafft keine Gratifikation, sie fügt dem Selbst Schmerz zu. Die Auslöschung der Grenze zwischen dem Selbst und dem Anderen bedeutet, dass dem Selbst nie etwas Neues<, >Anderes< begegnen kann. Dieses wird verschlungen und so lange umgeformt, bis sich das Selbst darin wiedererkennt damit aber wird das oder der Andere bedeutungslos. [...] Der Narzißt ist nicht auf Erfahrungen aus, er will erleben - in allem, was ihm gegenübertritt, sich selbst erleben. [...] Man ertrinkt im Selbst [...].“ Richard Sennett