Civaknas

„Öffentliches“ Verhalten ist durch zweierlei bestimmt. Es ist erstens ein Handeln, das einen gewissen Abstand von der Person des Handelnden, seiner Biographie, seinen Lebensverhaltnissen und Bedurfnissen wahrt. Und zweitens gehört zu diesem Handeln die Erfahrung der Vielfalt. Diese Definition ist zeitlich und räumlich unbeschrankt, denn sie laßt sich im Prinzip auch auf einen Stamm von Jägern und Sammlern oder auf eine indische Stadt im Mittelalter anwenden.“
Sayfa 119·Kitabı okuyor
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“Narzißtische Gefrihl konzentrieren sich oft auf die zwanghafte Frage, ob ich gut genug bin«, ob ich der oder die »Richtige« bin usw. Wenn eine Gesellschaf solche Gefühle mobilisiert, wenn sie den objektiven Charakter des Handelns abwertet und die Bedeutung des subjektiven Gefühlszu standes des Handelnden aufwertet, kommt diese Tendenz zur Selbst rechtfertigung durch einen »symbolischen Akt« an allen möglichen Stellen zum Vorschein. Die Wechselwirkung zwischen öffentlichem und privatem Interesse verschärft diese zwanghafte Suche nach der Legitimität des Selbst und erweckt damit die quälenden Elemente der protestantischen Ethik zu neuem Leben - und das in einer Gesellschaft, die weder religiös noch davon überzeugt ist, daß materieller Wohlstand eine Art von moralischem Kapital darstellt.”
Sayfa 26·Kitabı okuyor
“Im Bereich der Sexualität löst der Narzißmus die körperliche Liebe aus jeder Art von Anteilnahme, ob persönlich oder gesellschaftlich, heraus. Der bloße Umstand, sich auf etwas einzulassen, schränkt anscheinend die Möglichkeiten ein, zu erfahren, wer man ist, und die >richtige« Person zu finden, die zu einem »paßt«. Jede sexuelle Beziehung, die im Banne des Narzißmus steht, wird um so unbefriedi gender, je länger die Partner zusammen sind. Eine grundlegende Relation zwischen Narzißmus und Sexualität läßt sich anhand des Bildes bestimmen, das die Menschen von ihrem eigenen Körper haben.”
Sayfa 22·Kitabı okuyor
„Der Narzissmus im klinischen Verstande meint etwas anderes als di geläufige Vorstellung vom Verliebtsein in die eigene Schönheit: strenger gefaßt, als Charakterstörung, bezeichnet er eine Selbstbezogenheit, die nicht mehr zu erkennen vermag, was zur Sphäre des Selbst und der Selbst-Gratifikation gehört und was nicht. Zum Narzißmu gehört die bohrende Frage, was diese Person, dieses Ereignis für mich bedeuten«. Diese Frage nach der »Relevanz« anderer Menschen oder äußerer Handlungen für die jeweilige Person wird immer wieder von neuem gestellt, so daß die deutliche Wahrnehmung der Personen und Handlungen getrübt wird. Seltsamerweise verhindert gerade diese Versenkung ins eigene Selbst die Befriedigung der Bedürfnisse dieses Selbst; sie bewirkt, daß die Person in dem Augenblick, da sie ein Ziel erreicht hat oder mit einer anderen Person Verbindung aufnimmt, das Gefühl hat: »Das ist es nicht, was ich wollte. Der Narzißmus besitzt also die doppelte Eigenschaft, die Versenkung in die Bedürfnisse des Selbst zu verstärken und zugleich ihre Erfüllung zu blockieren. Narzißtische Charakterstörungen sind die häufigste Ursache psychi schen Leidens, mit der es die Therapeuten heute zu tun haben. Die hysterischen Symptome, die in der erotischen und zugleich repressi ven Gesellschaft, in der Freud lebte, die Oberhand hatten, sind weitgehend verschwunden. Narzißtische Charakterstörungen haben deshalb so zugenommen, weil die heutige Gesellschaft ihre inneren Ausdrucksprozesse psychologisch organisiert und den Sinn für sinn volle soziale Interaktionen außerhalb der Grenzen des einzelnen Selbst unterminiert. Bei der genaueren Bestimmung dieses Leidens müssen wir sehr vorsichtig verfahren, um die Umgebung, in der es eine soziale Form angenommen hat, nicht zu verfehlen. Diese
Sayfa 22·Kitabı okuyor
„Der moderne Ausdruck »Affare« flacht alle diese Risiken ab, weil er die Vorstellung verdrängt, daß physische Liebe ein sozialer Akt ist; heute ist sie Sache einer emotionalen Affinität, die im Leben eines Menschen außerhalb des Netzes seiner sonstigen sozialen Beziehungen steht.“
Sayfa 21·Kitabı okuyor