„Für diese »Primitiven nun ist das Bildermachen wirklich von derselben praktischen Bedeutung wie das Häuserbauen: Die Häuser oder Hütten sollen sie vor den Unbilden der Witterung schützen, die Bilder vor anderen Einflüssen, die ihnen nicht weniger wirklich sind. Man verwendet sie zum Zaubern. Man kann darum die seltsamen Anfänge der Kunst kaum begreifen, wenn man nicht versucht, sich in die Mentalität der Primitiven einzufühlen. Man muss es nacherleben, wie ein Bild dazu kommen kann, mehr zu sein als einfach ein Ding zum Anschauen, und worin sein Zauber liegt. Gar so schwer ist es vielleicht gar nicht, sich in diese Gedankengänge hineinzufinden. Man muss nur ganz ehrlich und aufrichtig gegen sich selbst sein. Sind wir es, so werden wir bald entdecken, dass in uns selbst noch irgendwo der Primitive steckt. Statt mit der Eiszeit fangen wir also lieber bei uns selber an. Neh- men wir irgendein Bild, meinetwegen, eine Fotografie aus einer Zeitung, die einen uns sympathischen Menschen zeigt. Ist uns das Bild wirklich nicht mehr als ein bisschen Druckerschwärze auf Papier? Würden wir nicht zögern, ihm, sagen wir, die Augen auszustechen? Wäre uns das so gleichgültig, als wenn wir sonstwo ein Loch in die Zeitung reißen würden? Mir gewiss nicht, So genau ich auch mit meinem wachen Verstand weiß, dass es den Abgebildeten gänzlich unberührt lässt, was ich mit seinem Bild anstelle, sagt mir doch eine Art traumhaften Unbehagens, dass man so etwas nicht Spanien tut. Irgendwie regt sich das absurde Gefühl, das, was man dem Bild antut, könne sich an dem Menschen auswirken, den es darstellt. Wenn das richtig ist, wenn diese verrückte und unsinnige Idee wirklich noch in uns lebendig blieb, die wir doch im Zeitalter der Atome und des Computers leben, dann ist es vielleicht weniger